Einfluss der Digitalisierung auf das Facility Management

© scyther5 / thinkstock
April 18, 2016
Timm Schröder
Spezialist Facility & Corporate Real Estate Management
Roland Berger GmbH

Die Digitalisierung brachte in den vergangenen Jahren wie in vielen anderen Arbeitsbereichen auch im Facility Management spürbare Auswirkungen – und wird in Zukunft weiter an Einfluss gewinnen.

Facility Management (FM) hat als eigenständiger Arbeitsbereich für die Bewirtschaftung einer Firmenimmobilie eine relativ junge Geschichte. Viele Unternehmen haben diesem notwendigen, aber sehr serviceintensiven Tätigkeitsfeld in der Vergangenheit wenig Bedeutung beigemessen. In den späten 1980er-Jahren sahen sich FM-Abteilungen am Wirtschaftsstandort Deutschland nahezu flächendeckend mit einer oft unzureichenden Bereitstellung an notwendigen oder ressourcenschonenden Arbeitsmitteln konfrontiert. Die Verfügbarkeit von auf den FM-Bereich spezialisierter Software war und ist bis heute in vielen Unternehmen deshalb keine Selbstverständlichkeit.

Als probates Mittel wurden Facility Managern bis Ende der 1990er-Jahre in der Regel ein Tabellenkalkulations-, ein Texterfassungs- und möglicherweise ein Datenbankprogramm zur Verfügung gestellt.

Doch es entwickelte sich ab diesem Zeitpunkt ein steigendes Bewusstsein für dieses Segment – immer mehr Firmen rüsteten ihren FM-Bereich auf. Der Grund: Die Aufstockung personeller und infrastruktureller Ressourcen bringt in der gewissenhaften Bewirtschaftung eines Unternehmensstandorts trotz vermeintlich steigender Kosten schnell sichtbare Erfolge – eine Reihe von Optimierungen des Standorts und merkliche Einsparungen in der Gesamtbilanz sind mit einem versierten Facility Management die Folge.

Der positiven Entwicklung der FM-Branche und den finanziellen Vorteilen laufen wiederum die voranschreitende Digitalisierung und die damit verbundenen hohen Anforderungen an Mitarbeiterausstattung, Sicherheit und Datenschutz entgegen. Technik in einer Bestandsimmobilie nachzurüsten kostet viel Geld und wird bis heute von Unternehmern nur ungern investiert.

Doch: Heutzutage sind signifikante Einsparungen an einem Bestandsgebäude ohne sinnvolle Investition in die technische Ausstattung nicht mehr möglich.

Welchen Stand der Technik bringt die Digitalisierung im Bereich FM mit sich?

GLT-Anlagen (Gebäudeleittechnik) und KNX-Systeme (ein Bussystem für die Gebäudeautomation, um zum Beispiel Schaltern individuelle Funktionen zuzuweisen) ermöglichen, das Gebäude digital individuell auf die Bedürfnisse von Personal und Bewirtschaftung auszurichten und aus dem Haus selbst oder von einem anderen Ort auf die Gebäudetechnik zuzugreifen. Ein Unternehmen kann auf diesem Weg einen wesentlich effizienteren Einsatz des gesamten Personals und aller Ressourcen garantieren, da man umgehend die Ursache eines technischen oder infrastrukturellen Ausfalls ausfindig machen und so den Werterhalt der Immobilie und die Zufriedenheit des Unternehmens/Auftraggebers steigern kann. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit der gleichzeitigen Überwachung mehrerer Gebäude. Eine Alarmfunktion informiert die zuständige Person sofort über Ausfälle sowie Schäden am Gebäude und die Reaktionszeiten werden verringert 􀀄 sei es bei Sicherheits- und Zutrittssystem, Lüftungs- und Klimatechnik oder Brandschutzsystemen und so weiter.

‍KNX-Systeme ermöglichen es, Gebäude digital auf die Bedürfnisse von Personal und Bewirtschaftung auszurichten und die Gebäudetechnik auch von extern zu steuer

Zum gleichen Zeitpunkt – vor zirka 20 Jahren – kamen CAFM- Systeme (Computer-Aided Facility Management) auf den Markt. Diese ermöglichen, eine Übersicht über die Bestandsgebäude und bei nachhaltiger Pflege der Gebäudedaten Kennzahlen auf Knopfdruck zu erhalten. Auch können zum Beispiel Leistungsverzeichnisse visualisiert werden, sodass man schnell eine Auskunft über den Gebäudezyklus geben kann. Schlüsselverwaltung, Vertragsmanagement, Störungsmanagement beziehungsweise -meldung, Prüf- und Wartungsmanagement, Rechnungsverwaltung, Budgetplanungen und so weiter – all diese Felder lassen sich bei guter Datenpflege innerhalb von Sekunden aufrufen.

So können zudem mehrere Gebäude miteinander verglichen und alle Daten gebündelt auf einer Programmoberfläche abgebildet werden. Diese Systeme wurden zwischenzeitlich so weiterentwickelt, dass man eine Art »gläsernes Gebäude« kreieren kann. Es gibt nichts, was man damit im Bereich FM nicht realisieren kann – nur diese Technik kostet aber Geld.

‍Saugroboter arbeiten mit digitalen Plänen, auf denen die Routen hinterlegt sind, und beginnen ihre Arbeit, wenn sich keine Mitarbeiter mehr auf der Fläche befinden

Was bedeuten GLT und KNX im Detail?

Eine GLT-Anlage ist bei einem Neubau nicht mehr wegzudenken und damit verbunden ebenso die KNX-Anlage. Schnittstellen und Baukastenprinzipien ermöglichen es, diese Systeme auf Kundenwunsch zu programmieren und zu konfigurieren. Sie bieten so die Grundlage für effizientes Arbeiten. Ist der End-User, also der Facility Manager und die Mitarbeiter im Gebäude, diszipliniert im Umgang mit beiden Systemen, so steuert sich das Gebäude gewissermaßen selbst. Ein Beispiel: Sind die Arbeitsplätze durch Sonneneinstrahlung zu hell, fährt das System automatisch die Jalousien herab und beleuchtet dafür die Arbeitsplätze mit dem im Raum vorhandenen Licht mehr. Und das ist nur eine Möglichkeit. Mit GLT- und KNX-Anlagen findet der Mitarbeiter immer gleichbleibende Bedingungen am Arbeitsplatz vor und der Arbeitgeber muss sich nicht mehr mit DIN-Normen und dem  Arbeitsstättengesetz auseinandersetzen. Ebenso werden die CO2-Werte in der Abluft gemessen und die Lüftungsanlage regelt automatisch den Luftwechsel und Luftstrom sowie die Temperatur. Es können Szenarien für Sommer und Winter hinterlegt werden, die die Gebäudeautomation an dieser Stelle perfektionieren. Das Ergebnis: Die Gebäude laufen sehr effektiv, finanzielle Ausgaben durch Fehlverhalten oder Arbeitsausfälle verringern sich enorm.

Auch im Bereich der Sicherheit schreitet die digitale Entwicklung mit großen Schritten voran. Ein inzwischen weitverbreiteter Trend ist die Umstellung eines Unternehmens weg vom normalen »Hard Key« - also dem haptischen Türschlüssel eines Mitarbeiters – hin zum digitalen Key, einer Schlüsselkarte, die es ermöglicht, mehrere Funktionen in nur einem »Schlüssel« zu vereinen. So kann ein Mitarbeiter mit einer personalisierten Karte beispielsweise in mehreren Büros Zutritt erhalten, kann in der Cafeteria bezahlen, vertrauliche Druckaufträge an allen verfügbaren Druckern im gesamten Haus starten und vieles andere mehr. Bei Verlust einer solchen Schlüsselkarte muss nicht die gesamte Schließanlage ausgetauscht, sondern nur die Karte gesperrt werden. Es gehen weder Geld noch Informationen verloren. Diese Zutrittskontrollsysteme mit digitalen Schlüsseln erlaubt zudem eine Auswertung, die in Zusammenspiel mit einer CAFM-Software fundierte Auskünfte über die Frequentierung der Immobilien erlauben. Es kann eine Arbeitsplatzbelegung (wichtig unter anderem bei Open-Space-Flächen) und Raumbelegung ausgewertet und so leicht ein Ausblick für zukünftige Flächenplanungen erstellt werden. Auch können so bei Einbrüchen umgehend sämtliche Zutritte ausgewertet und der Kreis der potenziellen Täter minimiert werden. Gerade in diesem Bereich ist der Trend noch nicht am Ende. Neu auf dem Markt sind biometrische Systeme, die anhand von Gesichtserkennung oder Ganganalyse den Mitarbeitern diverse Funktionen freischalten. Dies dient natürlich in erster Linie dem Zweck der Objektsicherung, da eine Zutrittskarte gestohlen werden kann, ein biometrischer Abgleich aber nicht.

‍Die Drohnentechnik ermöglicht es schnell und gefahrlos, Orte zu begutachten, die sonst nur mit hohem Aufwand zu erreichen wären

Drohnentechnik – eine bemerkenswerte Entwicklung

Auch was den Reinigungs- und Wartungsbereich angeht, stehen einige bemerkenswerte Entwicklungen in den Startlöchern. Eine davon ist die Drohnentechnik. Sie ermöglicht es schnell und ohne Gefährdung eines Mitarbeiters, Orte zu begehen, die sonst nur mit hohem Aufwand, merklichen Kosten und Sicherheitsvorkehrungen zu bewerkstelligen wären. Man nehme die Begutachtung von Dächern, Antennen, Balkonen, Abwassersystemen, engen Rohren etc. Vormals mussten Hubsteiger oder Ähnliches gemietet und geschultes Personal engagiert werden, um diese Orte zu erreichen und einen Schadensbericht zu erstellen. Für die Behebung war der Aufwand ein weiteres Mal nötig. Eine Kostenfalle, die heutzutage mit einer einzigen Drohne umgangen werden kann. An einem Monitor werden die Bilder besprochen, die Schäden protokolliert und die Behebung eingeleitet – eine Technologie, die Zeit und Geld spart bei minimalem Sicherheitsrisiko.

Diese Technik wird auch bei den Sicherheits- und Wachunternehmen eine Rolle spielen. Große Areale können mittels Drohnen schnell abgeflogen und aus der Luft bewacht werden. Auch lässt sich eine Ersteinschätzung bei Bedrohungen so vornehmen, ohne dass ein Mitarbeiter sich in Gefahr begeben muss. Es wird zudem durch den reduzierten Zeitfaktor Schlimmeres verhindert, da eine Drohne keine Hindernisse überwinden muss.

Roboter – Künstliche Intelligenz in der Reinigung

Ein ähnliches Beispiel ist in der Reinigungsbranche zu finden. Dort werden in Zukunft verstärkt künstliche Intelligenzen eingesetzt, wie zum Beispiel Saugroboter oder Roboter, die ein Treppenhaus reinigen können (wurde kürzlich unter anderem von Google vorgestellt). Diese Systeme arbeiten dann mit digitalen Plänen, auf denen die Routen hinterlegt sind, und starten auf Kopfdruck oder beginnen in Korrespondenz mit einem Signal der Zutrittskontrolle ihre Arbeit, wenn sich keine Mitarbeiter mehr auf der Fläche befinden. Dies ermöglicht Reinigungskräften, sich auf andere Bereiche zu konzentrieren.

Miniatursensorik im Gebäudemanagement

Ausgefeilte Sensorik, die sogenannte Miniatur-Sensorik, wird es dem Facility Manager zudem in Zukunft erleichtern, »sein« Gebäude zu verstehen und Schäden beziehungsweise Verschleiß früher zu erkennen. Diese Sensoren sind dank der modernen Funktechnik miteinander verbunden und laufen nahezu störungsfrei. Sie können nachträglich – für ältere Bestandsgebäude ist das enorm wichtig – eingebaut werden. Durch detaillierte Real-Time-Auswertungen kann man so die optimale Effizienz des Gebäudes bestimmen und dem Mitarbeiter ein behagliches Umfeld schaffen.

Es bleibt festzuhalten, dass sich der Markt rasant weiterentwickelt und das Aufgabengebiet der Facility-Management-Mitarbeiter sich verschiebt. Die Befürchtung, dass mit der Digitalisierung FM-Arbeitsstellen grundsätzlich wegfallen, ist dennoch aus vielerlei Gründen obsolet. Jedes System muss gepflegt werden und hinter jedem digitalen »Spielzeug« steckt ein Bediener – jemand, der die Daten auswerten und begutachten muss. Eher hält hier das inzwischen verbreitete Prinzip »Work from anywhere« Einzug. Facility Management lässt sich zukünftig aus dem Büro vor Ort oder von jedem anderen Platz aus durchführen.

Die digitalisierte Technik kann nicht alle Handgriffe des klassischen Facility Managements in absehbarer Zeit ersetzen. In Krisensituationen wie beispielsweise Havarien oder auch bei Planung von Umzügen sowie beim Wartungs- und Instandhaltungsmanagement, um nur einige zu nennen,

wird weiter hin menschliches Ermessen benötigt. Die Planungen und Auswertungen werden lediglich detaillierter und schneller, da all die digitalen Systeme Informationen liefern, die die Bedürfnisse eines jeden Objekts oder auch Mitarbeiters detaillierter beschreiben und Umsetzung verlangen.

Timm Schröder

ist seit 2016 für das Facility Management bei Roland Berger verantwortlich. Vorher studierte er an der Westfälischen Hoch schule Facility Management und sammelte unter anderem bei der ECE Projektmanagement GmbH und Co. KG und der Constantin Entertainment GmbH erste Berufserfahrungen im Bereich FM.

Die Digitalisierung brachte in den vergangenen Jahren wie in vielen anderen Arbeitsbereichen auch im Facility Management spürbare Auswirkungen – und wird in Zukunft weiter an Einfluss gewinnen.

Facility Management (FM) hat als eigenständiger Arbeitsbereich für die Bewirtschaftung einer Firmenimmobilie eine relativ junge Geschichte. Viele Unternehmen haben diesem notwendigen, aber sehr serviceintensiven Tätigkeitsfeld in der Vergangenheit wenig Bedeutung beigemessen. In den späten 1980er-Jahren sahen sich FM-Abteilungen am Wirtschaftsstandort Deutschland nahezu flächendeckend mit einer oft unzureichenden Bereitstellung an notwendigen oder ressourcenschonenden Arbeitsmitteln konfrontiert. Die Verfügbarkeit von auf den FM-Bereich spezialisierter Software war und ist bis heute in vielen Unternehmen deshalb keine Selbstverständlichkeit.

Als probates Mittel wurden Facility Managern bis Ende der 1990er-Jahre in der Regel ein Tabellenkalkulations-, ein Texterfassungs- und möglicherweise ein Datenbankprogramm zur Verfügung gestellt.

Doch es entwickelte sich ab diesem Zeitpunkt ein steigendes Bewusstsein für dieses Segment – immer mehr Firmen rüsteten ihren FM-Bereich auf. Der Grund: Die Aufstockung personeller und infrastruktureller Ressourcen bringt in der gewissenhaften Bewirtschaftung eines Unternehmensstandorts trotz vermeintlich steigender Kosten schnell sichtbare Erfolge – eine Reihe von Optimierungen des Standorts und merkliche Einsparungen in der Gesamtbilanz sind mit einem versierten Facility Management die Folge.

Der positiven Entwicklung der FM-Branche und den finanziellen Vorteilen laufen wiederum die voranschreitende Digitalisierung und die damit verbundenen hohen Anforderungen an Mitarbeiterausstattung, Sicherheit und Datenschutz entgegen. Technik in einer Bestandsimmobilie nachzurüsten kostet viel Geld und wird bis heute von Unternehmern nur ungern investiert.

Doch: Heutzutage sind signifikante Einsparungen an einem Bestandsgebäude ohne sinnvolle Investition in die technische Ausstattung nicht mehr möglich.

Welchen Stand der Technik bringt die Digitalisierung im Bereich FM mit sich?

GLT-Anlagen (Gebäudeleittechnik) und KNX-Systeme (ein Bussystem für die Gebäudeautomation, um zum Beispiel Schaltern individuelle Funktionen zuzuweisen) ermöglichen, das Gebäude digital individuell auf die Bedürfnisse von Personal und Bewirtschaftung auszurichten und aus dem Haus selbst oder von einem anderen Ort auf die Gebäudetechnik zuzugreifen. Ein Unternehmen kann auf diesem Weg einen wesentlich effizienteren Einsatz des gesamten Personals und aller Ressourcen garantieren, da man umgehend die Ursache eines technischen oder infrastrukturellen Ausfalls ausfindig machen und so den Werterhalt der Immobilie und die Zufriedenheit des Unternehmens/Auftraggebers steigern kann. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit der gleichzeitigen Überwachung mehrerer Gebäude. Eine Alarmfunktion informiert die zuständige Person sofort über Ausfälle sowie Schäden am Gebäude und die Reaktionszeiten werden verringert 􀀄 sei es bei Sicherheits- und Zutrittssystem, Lüftungs- und Klimatechnik oder Brandschutzsystemen und so weiter.

‍KNX-Systeme ermöglichen es, Gebäude digital auf die Bedürfnisse von Personal und Bewirtschaftung auszurichten und die Gebäudetechnik auch von extern zu steuer

Zum gleichen Zeitpunkt – vor zirka 20 Jahren – kamen CAFM- Systeme (Computer-Aided Facility Management) auf den Markt. Diese ermöglichen, eine Übersicht über die Bestandsgebäude und bei nachhaltiger Pflege der Gebäudedaten Kennzahlen auf Knopfdruck zu erhalten. Auch können zum Beispiel Leistungsverzeichnisse visualisiert werden, sodass man schnell eine Auskunft über den Gebäudezyklus geben kann. Schlüsselverwaltung, Vertragsmanagement, Störungsmanagement beziehungsweise -meldung, Prüf- und Wartungsmanagement, Rechnungsverwaltung, Budgetplanungen und so weiter – all diese Felder lassen sich bei guter Datenpflege innerhalb von Sekunden aufrufen.

So können zudem mehrere Gebäude miteinander verglichen und alle Daten gebündelt auf einer Programmoberfläche abgebildet werden. Diese Systeme wurden zwischenzeitlich so weiterentwickelt, dass man eine Art »gläsernes Gebäude« kreieren kann. Es gibt nichts, was man damit im Bereich FM nicht realisieren kann – nur diese Technik kostet aber Geld.

‍Saugroboter arbeiten mit digitalen Plänen, auf denen die Routen hinterlegt sind, und beginnen ihre Arbeit, wenn sich keine Mitarbeiter mehr auf der Fläche befinden

Was bedeuten GLT und KNX im Detail?

Eine GLT-Anlage ist bei einem Neubau nicht mehr wegzudenken und damit verbunden ebenso die KNX-Anlage. Schnittstellen und Baukastenprinzipien ermöglichen es, diese Systeme auf Kundenwunsch zu programmieren und zu konfigurieren. Sie bieten so die Grundlage für effizientes Arbeiten. Ist der End-User, also der Facility Manager und die Mitarbeiter im Gebäude, diszipliniert im Umgang mit beiden Systemen, so steuert sich das Gebäude gewissermaßen selbst. Ein Beispiel: Sind die Arbeitsplätze durch Sonneneinstrahlung zu hell, fährt das System automatisch die Jalousien herab und beleuchtet dafür die Arbeitsplätze mit dem im Raum vorhandenen Licht mehr. Und das ist nur eine Möglichkeit. Mit GLT- und KNX-Anlagen findet der Mitarbeiter immer gleichbleibende Bedingungen am Arbeitsplatz vor und der Arbeitgeber muss sich nicht mehr mit DIN-Normen und dem  Arbeitsstättengesetz auseinandersetzen. Ebenso werden die CO2-Werte in der Abluft gemessen und die Lüftungsanlage regelt automatisch den Luftwechsel und Luftstrom sowie die Temperatur. Es können Szenarien für Sommer und Winter hinterlegt werden, die die Gebäudeautomation an dieser Stelle perfektionieren. Das Ergebnis: Die Gebäude laufen sehr effektiv, finanzielle Ausgaben durch Fehlverhalten oder Arbeitsausfälle verringern sich enorm.

Auch im Bereich der Sicherheit schreitet die digitale Entwicklung mit großen Schritten voran. Ein inzwischen weitverbreiteter Trend ist die Umstellung eines Unternehmens weg vom normalen »Hard Key« - also dem haptischen Türschlüssel eines Mitarbeiters – hin zum digitalen Key, einer Schlüsselkarte, die es ermöglicht, mehrere Funktionen in nur einem »Schlüssel« zu vereinen. So kann ein Mitarbeiter mit einer personalisierten Karte beispielsweise in mehreren Büros Zutritt erhalten, kann in der Cafeteria bezahlen, vertrauliche Druckaufträge an allen verfügbaren Druckern im gesamten Haus starten und vieles andere mehr. Bei Verlust einer solchen Schlüsselkarte muss nicht die gesamte Schließanlage ausgetauscht, sondern nur die Karte gesperrt werden. Es gehen weder Geld noch Informationen verloren. Diese Zutrittskontrollsysteme mit digitalen Schlüsseln erlaubt zudem eine Auswertung, die in Zusammenspiel mit einer CAFM-Software fundierte Auskünfte über die Frequentierung der Immobilien erlauben. Es kann eine Arbeitsplatzbelegung (wichtig unter anderem bei Open-Space-Flächen) und Raumbelegung ausgewertet und so leicht ein Ausblick für zukünftige Flächenplanungen erstellt werden. Auch können so bei Einbrüchen umgehend sämtliche Zutritte ausgewertet und der Kreis der potenziellen Täter minimiert werden. Gerade in diesem Bereich ist der Trend noch nicht am Ende. Neu auf dem Markt sind biometrische Systeme, die anhand von Gesichtserkennung oder Ganganalyse den Mitarbeitern diverse Funktionen freischalten. Dies dient natürlich in erster Linie dem Zweck der Objektsicherung, da eine Zutrittskarte gestohlen werden kann, ein biometrischer Abgleich aber nicht.

‍Die Drohnentechnik ermöglicht es schnell und gefahrlos, Orte zu begutachten, die sonst nur mit hohem Aufwand zu erreichen wären

Drohnentechnik – eine bemerkenswerte Entwicklung

Auch was den Reinigungs- und Wartungsbereich angeht, stehen einige bemerkenswerte Entwicklungen in den Startlöchern. Eine davon ist die Drohnentechnik. Sie ermöglicht es schnell und ohne Gefährdung eines Mitarbeiters, Orte zu begehen, die sonst nur mit hohem Aufwand, merklichen Kosten und Sicherheitsvorkehrungen zu bewerkstelligen wären. Man nehme die Begutachtung von Dächern, Antennen, Balkonen, Abwassersystemen, engen Rohren etc. Vormals mussten Hubsteiger oder Ähnliches gemietet und geschultes Personal engagiert werden, um diese Orte zu erreichen und einen Schadensbericht zu erstellen. Für die Behebung war der Aufwand ein weiteres Mal nötig. Eine Kostenfalle, die heutzutage mit einer einzigen Drohne umgangen werden kann. An einem Monitor werden die Bilder besprochen, die Schäden protokolliert und die Behebung eingeleitet – eine Technologie, die Zeit und Geld spart bei minimalem Sicherheitsrisiko.

Diese Technik wird auch bei den Sicherheits- und Wachunternehmen eine Rolle spielen. Große Areale können mittels Drohnen schnell abgeflogen und aus der Luft bewacht werden. Auch lässt sich eine Ersteinschätzung bei Bedrohungen so vornehmen, ohne dass ein Mitarbeiter sich in Gefahr begeben muss. Es wird zudem durch den reduzierten Zeitfaktor Schlimmeres verhindert, da eine Drohne keine Hindernisse überwinden muss.

Roboter – Künstliche Intelligenz in der Reinigung

Ein ähnliches Beispiel ist in der Reinigungsbranche zu finden. Dort werden in Zukunft verstärkt künstliche Intelligenzen eingesetzt, wie zum Beispiel Saugroboter oder Roboter, die ein Treppenhaus reinigen können (wurde kürzlich unter anderem von Google vorgestellt). Diese Systeme arbeiten dann mit digitalen Plänen, auf denen die Routen hinterlegt sind, und starten auf Kopfdruck oder beginnen in Korrespondenz mit einem Signal der Zutrittskontrolle ihre Arbeit, wenn sich keine Mitarbeiter mehr auf der Fläche befinden. Dies ermöglicht Reinigungskräften, sich auf andere Bereiche zu konzentrieren.

Miniatursensorik im Gebäudemanagement

Ausgefeilte Sensorik, die sogenannte Miniatur-Sensorik, wird es dem Facility Manager zudem in Zukunft erleichtern, »sein« Gebäude zu verstehen und Schäden beziehungsweise Verschleiß früher zu erkennen. Diese Sensoren sind dank der modernen Funktechnik miteinander verbunden und laufen nahezu störungsfrei. Sie können nachträglich – für ältere Bestandsgebäude ist das enorm wichtig – eingebaut werden. Durch detaillierte Real-Time-Auswertungen kann man so die optimale Effizienz des Gebäudes bestimmen und dem Mitarbeiter ein behagliches Umfeld schaffen.

Es bleibt festzuhalten, dass sich der Markt rasant weiterentwickelt und das Aufgabengebiet der Facility-Management-Mitarbeiter sich verschiebt. Die Befürchtung, dass mit der Digitalisierung FM-Arbeitsstellen grundsätzlich wegfallen, ist dennoch aus vielerlei Gründen obsolet. Jedes System muss gepflegt werden und hinter jedem digitalen »Spielzeug« steckt ein Bediener – jemand, der die Daten auswerten und begutachten muss. Eher hält hier das inzwischen verbreitete Prinzip »Work from anywhere« Einzug. Facility Management lässt sich zukünftig aus dem Büro vor Ort oder von jedem anderen Platz aus durchführen.

Die digitalisierte Technik kann nicht alle Handgriffe des klassischen Facility Managements in absehbarer Zeit ersetzen. In Krisensituationen wie beispielsweise Havarien oder auch bei Planung von Umzügen sowie beim Wartungs- und Instandhaltungsmanagement, um nur einige zu nennen,

wird weiter hin menschliches Ermessen benötigt. Die Planungen und Auswertungen werden lediglich detaillierter und schneller, da all die digitalen Systeme Informationen liefern, die die Bedürfnisse eines jeden Objekts oder auch Mitarbeiters detaillierter beschreiben und Umsetzung verlangen.

Timm Schröder

ist seit 2016 für das Facility Management bei Roland Berger verantwortlich. Vorher studierte er an der Westfälischen Hoch schule Facility Management und sammelte unter anderem bei der ECE Projektmanagement GmbH und Co. KG und der Constantin Entertainment GmbH erste Berufserfahrungen im Bereich FM.

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