Personalbedarf im Facility Management − Qualifizierung für Auftraggeber und Auftragnehmer

© shironosov / iStock
April 18, 2016
Prof. Dr. Markus Lehmann
Vorstandsmitglied (Bildung und Wissen)
GEFMA e.V

Die verbreitete und sich verstärkende Knappheit an qualifizierten Fach- und Führungskräften in bestimmten Teilen und Regionen der Wirtschaft betrifft auch das Facility Management (FM). Dies gilt für das breite Spektrum der FM-Anforderungen – bei den Auftraggebern ebenso wie auf der Seite der Auftragnehmer. Wichtige Aspekte dieser Entwicklung, Angebote der Bildungseinrichtungen zur Qualifizierung auf allen Ebenen, Maßnahmen der Branche zur Überwindung der Knappheit sowie ein Ausblick auf die weitere Förderung der Berufsfelder im Facility Management sind Gegenstand des  vorliegenden Beitrags.

Knappheit an Fach- und Führungskräften bei steigendem fachlichen Bedarf

Wesentliche Faktoren des starken Bedarfs an hochqualifizierten Mitarbeitern liegen in der quantitativen und qualitativen Dynamik der FM-Branche. Diese Dynamik gründet auf der gereiften Überzeugung vom hohen Nutzen eines umfassenden Facility Managements in allen Bereichen der wirtschaftlichen Wertschöpfung. So weisen die 25 führenden Facility-Service-Unternehmen in Deutschland quantitativ mit durchschnittlich 8,0 Prozent im Geschäftsjahr 2015 das größte Umsatzwachstum seit 2009 auf (Lünendonk®-Liste 2016). In qualitativer Hinsicht befindet sich die Branche weiterhin im Prozess der fortschreitenden Professionalisierung. Auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Bewirtschaftung, effizienter Ressourceneinsatz und strategisches Energiemanagement sind wichtige Treiber der Entwicklung. Aber auch Innovationen im Umfeld von Digitalisierung, Automatisierung, elektronischen Assistenzsystemen und Servicerobotik stellen die Branche vor neue Herausforderungen und werden sie mittelfristig verändern.

Die somit steigende Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern mit übergreifenden Kompetenzen, insbesondere in Technik, IT, Recht und Ökonomie, betrifft alle Verantwortungsebenen, vom strategischen Management über die Objektleitung bis zu den ausführenden Services. Dabei ist jeweils das fachliche Wissen auf Seiten der Auftraggeber und der Auftragnehmer bedeutsam.

Professionelle Kompetenz wird insbesondere bei der Wahrnehmung der Betreiberverantwortung benötigt. Dazu gehören unter anderem Qualifizierungsnachweise sowie eine rechtskonforme Organisation mit sachgemäßer Aufgaben- und Verantwortungsverteilung. Ein reibungsloses Zusammenwirken von Dienstleistungssteuerung (durch den Auftraggeber) und Objektleitung (durch den Auftragnehmer) dient der Optimierung des Gesamtprozesses. Ein gemeinsames fachliches Verständnis bei der Umsetzung von Nachhaltigkeits- und Energiezielen nützt dem beauftragenden Unternehmen und dem ausführenden Dienstleister. Ebenso wird das Zukunftsthema des lebenszyklusorientierten Building Information Modeling (BIM) umso besser verwirklicht werden, je enger und kompetenter alle Akteure zusammenarbeiten, einschließlich beteiligter Planungsbüros, Beratungsunternehmen und IT-Entwickler.

Bei der Suche nach hochqualifizierten Facility Managern konkurrieren die Betriebe mit anderen Branchen, die ebenfalls Fachleute mit technisch-wirtschaftlichem Profil suchen. In diesem Wettbewerb um die besten Talente gelingt es dem Berufsbild des Facility Managers noch nicht immer, sich nachdrücklich abzuheben. Denn die anspruchsvolle Aufgabenvielfalt in den unterstützenden unternehmerischen Prozessen ist meist noch zu wenig bekannt und besitzt häufig noch nicht das ihr gebührende Image.

Qualifizierungsangebote der Bildungseinrichtungen im Facility Management

In den zurückliegenden 20 Jahren ist in Deutschland eine flächendeckende FM-Bildungslandschaft mit zertifizierten fachlichen Abschlüssen gewachsen. Sie lässt sich entlang der Bildungspyramide des Deutschen Verbands für Facility Management e.V. (GEFMA) beschreiben (siehe Abbildung und www.gefma.de). Für die akademische Ausbildung von Facility Managern und für die Weiterbildung zum Fachwirt sowie als Servicekraft gibt es detaillierte Ausbildungsrichtlinien. 16 Hochschulen lehren und forschen in 20 Bachelor-, Master- und Zertifikatsstudiengängen auf dieser Grundlage. Eine wachsende Anzahl an Promotionen zu FM-Themen ist ebenfalls zu verzeichnen. Bei einer Reihe von privaten Bildungsträgern (derzeit fünf) sind bereits mehr als 4.000 Lehrgangsteilnehmer zu Fachwirten und Servicekräften weitergebildet worden. Aufgrund des beschriebenen Bedarfs der Praxis sind die Absolventen der jeweils GEFMA-zertifizierten Studien- und Bildungsgänge als Fach- und Führungskräfte stark nachgefragt.

‍GEFMA-Bildungspyramide mit geplantem Ausbildungsberuf; Quelle: GEFMA e.V.

Die interdisziplinäre FM-Ausbildung umfasst, dargestellt am  Beispiel des Studiums, Module der Mathematik, der Natur- und der Ingenieurwissenschaften, der Informatik sowie der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Weitere Blöcke sind Methoden des strategischen Managements, die FM-gerechte Planung, Erstellung und Änderung von baulichen Objekten und Anlagen sowie das Gebäudemanagement im bestehenden Betrieb. Hinzu kommen Seminare zur Persönlichkeitsbildung, Projektarbeiten sowie fachspezifische Vertiefungen und Praxisphasen. Das Curriculum entspricht einem fachspezifischen Wirtschaftsingenieur.

Zur Qualitätssicherung des Bildungsangebots dient eine dreistufige Zertifizierung. Sie erstreckt sich zunächst auf den Bildungsträger mit seiner Infrastruktur (Räume, technische Ausstattung, Medien) und seinen Mitarbeitern (Administration, Dozentenpool). Auf der zweiten Stufe wird die konkrete Bildungsmaßnahme, etwa der Lehrgang Fachwirt FM, geprüft. Schließlich erhalten die erfolgreichen Absolventen jeweils ein persönliches Zertifikat. Bei den Servicekraft- und Fachwirtlehrgängen legen sie zuvor eine zentral durch GEFMA begleitete Prüfung ab. Bei Hochschulen und ihren FM-Studiengängen werden maßgebliche Beurteilungen bereits durch die Akkreditierung vorgenommen. Die Zertifizierung konzentriert sich hier auf die inhaltliche Seite des Studienplans. Die Anerkennung durch GEFMA hat sich als Qualitätssiegel durchgesetzt. Die verschiedenen Abschlüsse genießen in der FM-Branche einen sehr guten Ruf, das große Interesse an der Zertifizierung ist ein Beleg dafür.

‍Summer Loungin‘ 2016 zu Gast im Landtag von Nordrhein-Westfalen; Quelle: GEFMA e.V.

Eine für die Branche ebenso wichtige duale Berufsausbildung im  Facility Management gibt es derzeit nicht. Der FM-Einstieg an der  Basis ist deshalb gegenwärtig nur über einen bestehenden Beruf in einem Einzelgewerk (zum Beispiel Heizungstechnik, Gebäudereinigung) möglich.

Maßnahmen der Branche zur Überwindung der Knappheit

Zahlreiche Maßnahmen der FM-Branche zielen darauf ab, noch mehr junge Menschen wie auch erfahrene Berufstätige für das Facility Management zu gewinnen und zu begeistern. Einige dieser Aktivitäten werden nachfolgend erläutert.

Eine Initiative von GEFMA und führenden Dienstleistungsunternehmen (»Die Möglichmacher«) setzt sich dafür ein, dem dringenden Bedarf nach einer FM-spezifischen Berufsausbildung mit anschließenden Aufstiegsmöglichkeiten gerecht zu werden. Ziel ist ein Beruf, der als Schwerpunkt technische Fertigkeiten zur Sicherstellung eines  optimalen Gebäudebetriebs mit komplexen technischen Anlagen vermittelt. Damit einhergehen sollen Grundkenntnisse in der kaufmännischen Steuerung und Kontrolle, eine hohe Serviceorientierung sowie ein übergreifendes Verständnis für die Gesamtheit der Facility Services. Nach den ersten Planungen für einen vollständig neuen Beruf konzentrieren sich die Konzeptionen aktuell auf die Modifikation des bestehenden und fachlich affinen Berufs »Elektroniker für Gebäude und Infrastruktursysteme«. Mit einer maßvollen inhaltlichen Anpassung sowie einem geänderten Namen (zum Beispiel Technologe für Gebäude und Infrastruktur) könnte im Rahmen einer Änderungsverordnung ein passgenauer attraktiver Beruf für die FM-Branche entstehen. Die Gespräche mit den entsprechenden Gremien für eine gemeinsame Gestaltung sind im Gange.

Mit einem bereits traditionellen Angebot für Studierende und Absolventen fördern GEFMA e.V. und die Möglichmacher-Unternehmen frühzeitig die Vernetzung zwischen den jungen Akademikern sowie mit dem Verband und seinen Unternehmen. So werden jährlich im Rahmen der INservFM Exkursionen nach Frankfurt zum Besuch der Messe, des Karrieretags und des Alumnitreffens finanziell und organisatorisch gefördert. Ein Platz für das praktische Studiensemester, das Thema für die Abschlussarbeit und der Einstieg in die Karriere können hier ihren Anfang haben.

Über dieses punktuelle Angebot hinaus eröffnen regionale GEFMA-Junior-Lounges die Möglichkeit, persönliche Kontakte und  fachlichen Erfahrungsaustausch während des Jahres kontinuierlich zu pflegen. Als Beispiel sei das Summer Loungin‘ 2016 in Düsseldorf genannt. Dabei hatten 50 Studierende und Young Professionals zunächst Gelegenheit, neueste medizinische und logistische Technik in einem Neubau des Universitätsklinikums zu besichtigen. Als zweite Station stand das Gebäudemanagement im Landtag von Nordrhein-Westfalen auf dem Programm (siehe Foto􀀂. Die bauliche Umgestaltung des alten Rheinhafens war Gegenstand einer weiteren Führung, bevor der Tag in einer gemütlichen Hausbrauerei ausklang.

Als Türöffner für die Karriere und Plattform für die Wissenschaft konnte der GEFMA-Förderpreis für Hochschulabschlussarbeiten 2017 sein 20-jähriges Jubiläum feiern. Dass wichtige Impulse für die Verbreitung des FM-Gedankens in Deutschland von den Hochschulen ausgehen werden, hatte der Vorstand bereits damals vorausgesagt. Um diese Impulse zu stärken, verlieh GEFMA 1997 erstmalig einen akademischen Förderpreis. Jeweils ein Hauptpreis und fünf Sonderpreise wurden in der Folgezeit vergeben. Nach 20 Jahren gilt: Fast 500 eingereichte Arbeiten, 125 Preisträger und 150.000 Euro Sponsorengelder belegen den Erfolg der in der Branche renommierten Auszeichnung. Der wegweisende Charakter der GEFMA-Förderpreise zeigt sich nicht zuletzt darin, dass bereits 40 verschiedene Hochschulen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland Preisträger gestellt haben (siehe Abbildung).

‍Hochschulstandorte der Förderpreisträger; Quelle: GEFMA e.V.

Die angewandte Forschung ist somit flächendeckend verbreitet. Dass dabei stets hochaktuelle Themen bearbeitet werden, bestätigt der Hauptpreis 2017: Corinna Keller hat sich an der Leuphana Universität Lüneburg in ihrer Masterthesis sehr erfolgreich mit »Facility Management 4.0 - Potenziale von Industrie 4.0 für das Facility Management an einem praktischen Beispiel« wissenschaftlich und anwendungsbezogen auseinandergesetzt (siehe Foto).

Ausblick auf die weitere Förderung der Berufsfelder im Facility Management

Die Markt- und Wettbewerbssituation mit der Knappheit an spezifisch qualifiziertem Personal im FM, die verfügbaren und geplanten Bildungsangebote sowie das vielfältige Engagement der Branche erlauben folgenden Ausblick.

‍Hauptpreisträgerin 2017 : Corinna Keller; Foto © Uta Mosler

Der noch junge Wirtschafts- und Wissenschaftszweig Facility Management präsentiert sich als eine wachsende und aktive Community. Im vernetzten Zusammenwirken von Verband, Unternehmen, Hochschulen, privaten Bildungsträgern und den Young Professionals werden vielfältige Initiativen umgesetzt. Diese stärken die Bekanntheit und das Image der Branche, unterstützen marktgerechte Bildungsangebote, öffnen die Türen für zukunftsorientierte Karrieren und fördern damit die attraktiven Berufsfelder im Facility Management.

Auf diese Weise wird ein wertvoller Beitrag geleistet zur qualifizierten Besetzung der angebotenen Stellen auf allen Verantwortungsebenen, bei Auftraggebern und Auftragnehmern. Junge Menschen wie auch erfahrene Berufstätige, die eine Aus- oder Weiterbildung im Facility Management absolvieren, entscheiden sich für vielfältige, innovative und anspruchsvolle Aufgaben in einer sich verändernden Arbeitswelt. Sie wählen dabei ein krisenbeständiges Umfeld mit dem Potenzial zu rasch wachsender beruflicher Verantwortung und persönlicher Entwicklung.

Prof. Dr. Markus Lehmann 

ist nach Stationen an der Technischen Universität München und an einem Bundesforschungsinstitut seit 1992 Professor an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Seine Lehrgebiete sind Betriebswirtschaft und Facility Management. Markus Lehmann etablierte den bundesweit ersten Studiengang Facility Management, den er als Studiendekan leitet. Im Vorstand des Deutschen Verbands für Facility Management GEFMA e.V. verantwortet er das Ressort Bildung und Wissen.

Die verbreitete und sich verstärkende Knappheit an qualifizierten Fach- und Führungskräften in bestimmten Teilen und Regionen der Wirtschaft betrifft auch das Facility Management (FM). Dies gilt für das breite Spektrum der FM-Anforderungen – bei den Auftraggebern ebenso wie auf der Seite der Auftragnehmer. Wichtige Aspekte dieser Entwicklung, Angebote der Bildungseinrichtungen zur Qualifizierung auf allen Ebenen, Maßnahmen der Branche zur Überwindung der Knappheit sowie ein Ausblick auf die weitere Förderung der Berufsfelder im Facility Management sind Gegenstand des  vorliegenden Beitrags.

Knappheit an Fach- und Führungskräften bei steigendem fachlichen Bedarf

Wesentliche Faktoren des starken Bedarfs an hochqualifizierten Mitarbeitern liegen in der quantitativen und qualitativen Dynamik der FM-Branche. Diese Dynamik gründet auf der gereiften Überzeugung vom hohen Nutzen eines umfassenden Facility Managements in allen Bereichen der wirtschaftlichen Wertschöpfung. So weisen die 25 führenden Facility-Service-Unternehmen in Deutschland quantitativ mit durchschnittlich 8,0 Prozent im Geschäftsjahr 2015 das größte Umsatzwachstum seit 2009 auf (Lünendonk®-Liste 2016). In qualitativer Hinsicht befindet sich die Branche weiterhin im Prozess der fortschreitenden Professionalisierung. Auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Bewirtschaftung, effizienter Ressourceneinsatz und strategisches Energiemanagement sind wichtige Treiber der Entwicklung. Aber auch Innovationen im Umfeld von Digitalisierung, Automatisierung, elektronischen Assistenzsystemen und Servicerobotik stellen die Branche vor neue Herausforderungen und werden sie mittelfristig verändern.

Die somit steigende Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern mit übergreifenden Kompetenzen, insbesondere in Technik, IT, Recht und Ökonomie, betrifft alle Verantwortungsebenen, vom strategischen Management über die Objektleitung bis zu den ausführenden Services. Dabei ist jeweils das fachliche Wissen auf Seiten der Auftraggeber und der Auftragnehmer bedeutsam.

Professionelle Kompetenz wird insbesondere bei der Wahrnehmung der Betreiberverantwortung benötigt. Dazu gehören unter anderem Qualifizierungsnachweise sowie eine rechtskonforme Organisation mit sachgemäßer Aufgaben- und Verantwortungsverteilung. Ein reibungsloses Zusammenwirken von Dienstleistungssteuerung (durch den Auftraggeber) und Objektleitung (durch den Auftragnehmer) dient der Optimierung des Gesamtprozesses. Ein gemeinsames fachliches Verständnis bei der Umsetzung von Nachhaltigkeits- und Energiezielen nützt dem beauftragenden Unternehmen und dem ausführenden Dienstleister. Ebenso wird das Zukunftsthema des lebenszyklusorientierten Building Information Modeling (BIM) umso besser verwirklicht werden, je enger und kompetenter alle Akteure zusammenarbeiten, einschließlich beteiligter Planungsbüros, Beratungsunternehmen und IT-Entwickler.

Bei der Suche nach hochqualifizierten Facility Managern konkurrieren die Betriebe mit anderen Branchen, die ebenfalls Fachleute mit technisch-wirtschaftlichem Profil suchen. In diesem Wettbewerb um die besten Talente gelingt es dem Berufsbild des Facility Managers noch nicht immer, sich nachdrücklich abzuheben. Denn die anspruchsvolle Aufgabenvielfalt in den unterstützenden unternehmerischen Prozessen ist meist noch zu wenig bekannt und besitzt häufig noch nicht das ihr gebührende Image.

Qualifizierungsangebote der Bildungseinrichtungen im Facility Management

In den zurückliegenden 20 Jahren ist in Deutschland eine flächendeckende FM-Bildungslandschaft mit zertifizierten fachlichen Abschlüssen gewachsen. Sie lässt sich entlang der Bildungspyramide des Deutschen Verbands für Facility Management e.V. (GEFMA) beschreiben (siehe Abbildung und www.gefma.de). Für die akademische Ausbildung von Facility Managern und für die Weiterbildung zum Fachwirt sowie als Servicekraft gibt es detaillierte Ausbildungsrichtlinien. 16 Hochschulen lehren und forschen in 20 Bachelor-, Master- und Zertifikatsstudiengängen auf dieser Grundlage. Eine wachsende Anzahl an Promotionen zu FM-Themen ist ebenfalls zu verzeichnen. Bei einer Reihe von privaten Bildungsträgern (derzeit fünf) sind bereits mehr als 4.000 Lehrgangsteilnehmer zu Fachwirten und Servicekräften weitergebildet worden. Aufgrund des beschriebenen Bedarfs der Praxis sind die Absolventen der jeweils GEFMA-zertifizierten Studien- und Bildungsgänge als Fach- und Führungskräfte stark nachgefragt.

‍GEFMA-Bildungspyramide mit geplantem Ausbildungsberuf; Quelle: GEFMA e.V.

Die interdisziplinäre FM-Ausbildung umfasst, dargestellt am  Beispiel des Studiums, Module der Mathematik, der Natur- und der Ingenieurwissenschaften, der Informatik sowie der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Weitere Blöcke sind Methoden des strategischen Managements, die FM-gerechte Planung, Erstellung und Änderung von baulichen Objekten und Anlagen sowie das Gebäudemanagement im bestehenden Betrieb. Hinzu kommen Seminare zur Persönlichkeitsbildung, Projektarbeiten sowie fachspezifische Vertiefungen und Praxisphasen. Das Curriculum entspricht einem fachspezifischen Wirtschaftsingenieur.

Zur Qualitätssicherung des Bildungsangebots dient eine dreistufige Zertifizierung. Sie erstreckt sich zunächst auf den Bildungsträger mit seiner Infrastruktur (Räume, technische Ausstattung, Medien) und seinen Mitarbeitern (Administration, Dozentenpool). Auf der zweiten Stufe wird die konkrete Bildungsmaßnahme, etwa der Lehrgang Fachwirt FM, geprüft. Schließlich erhalten die erfolgreichen Absolventen jeweils ein persönliches Zertifikat. Bei den Servicekraft- und Fachwirtlehrgängen legen sie zuvor eine zentral durch GEFMA begleitete Prüfung ab. Bei Hochschulen und ihren FM-Studiengängen werden maßgebliche Beurteilungen bereits durch die Akkreditierung vorgenommen. Die Zertifizierung konzentriert sich hier auf die inhaltliche Seite des Studienplans. Die Anerkennung durch GEFMA hat sich als Qualitätssiegel durchgesetzt. Die verschiedenen Abschlüsse genießen in der FM-Branche einen sehr guten Ruf, das große Interesse an der Zertifizierung ist ein Beleg dafür.

‍Summer Loungin‘ 2016 zu Gast im Landtag von Nordrhein-Westfalen; Quelle: GEFMA e.V.

Eine für die Branche ebenso wichtige duale Berufsausbildung im  Facility Management gibt es derzeit nicht. Der FM-Einstieg an der  Basis ist deshalb gegenwärtig nur über einen bestehenden Beruf in einem Einzelgewerk (zum Beispiel Heizungstechnik, Gebäudereinigung) möglich.

Maßnahmen der Branche zur Überwindung der Knappheit

Zahlreiche Maßnahmen der FM-Branche zielen darauf ab, noch mehr junge Menschen wie auch erfahrene Berufstätige für das Facility Management zu gewinnen und zu begeistern. Einige dieser Aktivitäten werden nachfolgend erläutert.

Eine Initiative von GEFMA und führenden Dienstleistungsunternehmen (»Die Möglichmacher«) setzt sich dafür ein, dem dringenden Bedarf nach einer FM-spezifischen Berufsausbildung mit anschließenden Aufstiegsmöglichkeiten gerecht zu werden. Ziel ist ein Beruf, der als Schwerpunkt technische Fertigkeiten zur Sicherstellung eines  optimalen Gebäudebetriebs mit komplexen technischen Anlagen vermittelt. Damit einhergehen sollen Grundkenntnisse in der kaufmännischen Steuerung und Kontrolle, eine hohe Serviceorientierung sowie ein übergreifendes Verständnis für die Gesamtheit der Facility Services. Nach den ersten Planungen für einen vollständig neuen Beruf konzentrieren sich die Konzeptionen aktuell auf die Modifikation des bestehenden und fachlich affinen Berufs »Elektroniker für Gebäude und Infrastruktursysteme«. Mit einer maßvollen inhaltlichen Anpassung sowie einem geänderten Namen (zum Beispiel Technologe für Gebäude und Infrastruktur) könnte im Rahmen einer Änderungsverordnung ein passgenauer attraktiver Beruf für die FM-Branche entstehen. Die Gespräche mit den entsprechenden Gremien für eine gemeinsame Gestaltung sind im Gange.

Mit einem bereits traditionellen Angebot für Studierende und Absolventen fördern GEFMA e.V. und die Möglichmacher-Unternehmen frühzeitig die Vernetzung zwischen den jungen Akademikern sowie mit dem Verband und seinen Unternehmen. So werden jährlich im Rahmen der INservFM Exkursionen nach Frankfurt zum Besuch der Messe, des Karrieretags und des Alumnitreffens finanziell und organisatorisch gefördert. Ein Platz für das praktische Studiensemester, das Thema für die Abschlussarbeit und der Einstieg in die Karriere können hier ihren Anfang haben.

Über dieses punktuelle Angebot hinaus eröffnen regionale GEFMA-Junior-Lounges die Möglichkeit, persönliche Kontakte und  fachlichen Erfahrungsaustausch während des Jahres kontinuierlich zu pflegen. Als Beispiel sei das Summer Loungin‘ 2016 in Düsseldorf genannt. Dabei hatten 50 Studierende und Young Professionals zunächst Gelegenheit, neueste medizinische und logistische Technik in einem Neubau des Universitätsklinikums zu besichtigen. Als zweite Station stand das Gebäudemanagement im Landtag von Nordrhein-Westfalen auf dem Programm (siehe Foto􀀂. Die bauliche Umgestaltung des alten Rheinhafens war Gegenstand einer weiteren Führung, bevor der Tag in einer gemütlichen Hausbrauerei ausklang.

Als Türöffner für die Karriere und Plattform für die Wissenschaft konnte der GEFMA-Förderpreis für Hochschulabschlussarbeiten 2017 sein 20-jähriges Jubiläum feiern. Dass wichtige Impulse für die Verbreitung des FM-Gedankens in Deutschland von den Hochschulen ausgehen werden, hatte der Vorstand bereits damals vorausgesagt. Um diese Impulse zu stärken, verlieh GEFMA 1997 erstmalig einen akademischen Förderpreis. Jeweils ein Hauptpreis und fünf Sonderpreise wurden in der Folgezeit vergeben. Nach 20 Jahren gilt: Fast 500 eingereichte Arbeiten, 125 Preisträger und 150.000 Euro Sponsorengelder belegen den Erfolg der in der Branche renommierten Auszeichnung. Der wegweisende Charakter der GEFMA-Förderpreise zeigt sich nicht zuletzt darin, dass bereits 40 verschiedene Hochschulen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland Preisträger gestellt haben (siehe Abbildung).

‍Hochschulstandorte der Förderpreisträger; Quelle: GEFMA e.V.

Die angewandte Forschung ist somit flächendeckend verbreitet. Dass dabei stets hochaktuelle Themen bearbeitet werden, bestätigt der Hauptpreis 2017: Corinna Keller hat sich an der Leuphana Universität Lüneburg in ihrer Masterthesis sehr erfolgreich mit »Facility Management 4.0 - Potenziale von Industrie 4.0 für das Facility Management an einem praktischen Beispiel« wissenschaftlich und anwendungsbezogen auseinandergesetzt (siehe Foto).

Ausblick auf die weitere Förderung der Berufsfelder im Facility Management

Die Markt- und Wettbewerbssituation mit der Knappheit an spezifisch qualifiziertem Personal im FM, die verfügbaren und geplanten Bildungsangebote sowie das vielfältige Engagement der Branche erlauben folgenden Ausblick.

‍Hauptpreisträgerin 2017 : Corinna Keller; Foto © Uta Mosler

Der noch junge Wirtschafts- und Wissenschaftszweig Facility Management präsentiert sich als eine wachsende und aktive Community. Im vernetzten Zusammenwirken von Verband, Unternehmen, Hochschulen, privaten Bildungsträgern und den Young Professionals werden vielfältige Initiativen umgesetzt. Diese stärken die Bekanntheit und das Image der Branche, unterstützen marktgerechte Bildungsangebote, öffnen die Türen für zukunftsorientierte Karrieren und fördern damit die attraktiven Berufsfelder im Facility Management.

Auf diese Weise wird ein wertvoller Beitrag geleistet zur qualifizierten Besetzung der angebotenen Stellen auf allen Verantwortungsebenen, bei Auftraggebern und Auftragnehmern. Junge Menschen wie auch erfahrene Berufstätige, die eine Aus- oder Weiterbildung im Facility Management absolvieren, entscheiden sich für vielfältige, innovative und anspruchsvolle Aufgaben in einer sich verändernden Arbeitswelt. Sie wählen dabei ein krisenbeständiges Umfeld mit dem Potenzial zu rasch wachsender beruflicher Verantwortung und persönlicher Entwicklung.

Prof. Dr. Markus Lehmann 

ist nach Stationen an der Technischen Universität München und an einem Bundesforschungsinstitut seit 1992 Professor an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Seine Lehrgebiete sind Betriebswirtschaft und Facility Management. Markus Lehmann etablierte den bundesweit ersten Studiengang Facility Management, den er als Studiendekan leitet. Im Vorstand des Deutschen Verbands für Facility Management GEFMA e.V. verantwortet er das Ressort Bildung und Wissen.

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