Digitalisiert sich die FM-Branche weg? Von wegen!

© 1971yes / thinkstock
April 18, 2016
Nick Sohnemann
Innovationsberater
FUTURE CANDY GmbH

Nick Sohnemann, Gründer und Inhaber der Innovationsberatung FutureCandy, im Gespräch mit Jörg Hossenfelder, Geschäftsführender Gesellschafter des Marktforschungsunternehmens Lünendonk & Hossenfelder, über Chancen und Risiken der Digitalisierung im  Facility Management.

Jörg Hossenfelder: Lieber Herr Sohnemann, beginnen wir bei Ihrem Besuch der Fachmesse INservFM: Was ist Ihnen beim Thema Facility Management zunächst in den Sinn gekommen?

Nick Sohnemann: Klar, selbstverständlich hatte ich schon vorher mitbekommen, dass der Job eines Facility Managers deutlich facettenreicher ist als der eines Hausmeisters und Gebäudereinigers. Aber in Vorbereitung meines Messebesuchs wurde mir jedoch schnell bewusst, dass wirklich in den letzten Jahren sehr viel in der FM- Branche passiert ist. Es ist unverkennbar, wie wichtig das Facility Management für eine Immobilie geworden ist.

Hossenfelder: Und wie ist Ihr Eindruck nach dem Messebesuch

Sohnemann: Ich habe erkannt, dass heutzutage FM für die Kunden einen hohen Stellenwert besitzen sollte. Es geht ja nicht nur um die Vielfalt der Leistungen wie Reinigung, Sicherheit, Technik und so weiter, sondern auch um die zahlreichen Schnittstellen zum Kerngeschäft. So ist es kein Wunder, dass die Branche an Bedeutung gewinnt. Beispielsweise ist bei H&M das Facility Management von  zentraler Bedeutung und sehr nah an der Geschäftsleitung angesiedelt. Das belegt den hohen Stellenwert des FM. Zudem werden die Gebäudedienstleistungen durch die digitalen Möglichkeiten nicht nur erweitert, sondern deutlich aufgewertet. Das Berufsbild wird immer attraktiver, und das ist ein positives Signal. Konkret kann man sagen, dass die Trendthemen Smart Office, Smart Factory und Smart Building die Relevanz von FM-Services noch deutlich erhöhen wird.

Hossenfelder: Sie sprechen die Digitalisierung an. Wird es die FM-Branche in 20 Jahren überhaupt noch geben? Oder werden dann die Services von Robotern und Drohnen erbracht, deren Steuerung ein Computer übernimmt?

Sohnemann: Natürlich wird sich die Art der Leistungserbringung verändern. Allein durch den Impact der Sensorik und Robotik erfährt die FM-Branche eine hohe Dynamik. Für die Dienstleister bedeutet das immense Chancen. Denn sie werden entsprechend thematisch wachsen. Während das klassische FM-Geschäft durch die Serviceroboter und Programme unterhöhlt wird, ergeben sich durch die Digitalisierung neue Chancen. So muss sich jemand um die Pflege der Roboter und Drohnen kümmern, Gebäudedaten analysieren und auswerten sowie die Kunden auch in dieser Hinsicht beraten. Allein in der Produktion und Logistik sind wir heute schon sehr weit – zu nennen sind beispielsweise autonome Transportwagen oder Verpackungsroboter. Aber auch im Krankenhaus und in der Pflege wird diese Technologie zum Einsatz kommen.

‍Die Gebäudedienstleistungen werden durch die digitalen Möglichkeiten nicht nur erweitert sondern deutlich aufgewertet

Hossenfelder: Sie meinen also, der Facility Manager von morgen…

Sohnemann: … ist auch Roboticsexperte. Hier entstehen völlig neue Berufsbilder aufgrund der Inhaltsschwere. Die FM-Mitarbeiter haben künftig eine andere, höhere Qualifikation. Das Spektrum des Facility Managers ist breiter, die Beratungskompetenz höher. Hierauf müssen sich Dienstleister, Hochschulen und Handelskammern einstellen.

Hossenfelder: Während viele in der Branche von Disruption sprechen, also von der Zerstörung eines Geschäftsmodells, sprechen Sie von Aufwertung und Chancen. Können Sie hierauf genauer eingehen?

Sohnemann: Wenn es darum geht, einfache Dinge schnell und flexibel zu erledigen, werden auch Menschen gebraucht. B ei bestimmten FM-Tätigkeiten lohnt sich kein Robotereinsatz. Menschen können besser improvisieren und sich auf neue Situationen einstellen, Roboter können sehr gut erlerntes Verhalten optimieren und sind unschlagbar dabei, vorgegebene Prozesse und Handgriffe zu wiederholen. Aber wenn es um komplett neue Situationen geht, kann eine Maschine – zumindest in den nächsten Jahren – wenig ausrichten. Daher: Die Gleichung, dass durch die Digitalisierung die vermeintlich einfacheren Tätigkeiten wegfallen, stimmt so nicht. Es sind vielmehr die Tätigkeiten des mittleren Managements, die die disruptive Kraft der Digitalisierung erfahren werden. Als Beispiele können Anwälte, Steuerberater, Controller und Journalisten genannt werden.

‍Das klassische FM-Geschäft kann oft durch Serviceroboter erledigt werden, doch bei bestimmten Tätigkeiten lohnt sich kein Robotereinsatz

Hossenfelder: Journalisten?

Sohnemann: Schon heute werden Standardereignisse von Computern autonom publiziert. Denken Sie an Tormeldungen auf unseren Smartphones: Spielstand, Spielminute und Torschütze werden gemeldet, ohne dass ein Mensch seine Finger im Spiel hat. Und schon heute ersetzen Fintechs und Legaltechs den Menschen. In diesem Segment ist der Einfluss der Digitalisierung höher.

Hossenfelder: Kommen wir zurück zum FM. Wenn Sie an die kommenden drei bis fünf Jahre denken: Der Einsatz welcher digitalen Techniken, Systeme und Dienstleistungen wird das FM-Geschäft am nachhaltigsten prägen?

Sohnemann: Eines vorneweg: Drei bis fünf Jahre sind schnell vorbei. Wir werden noch in dieser Dekade immense Umwälzungen in der Industrie erleben. Augmented Reality, Internet of Things und Predictive Maintenance werden partiell heute schon gefordert. Darüber hinaus werden die Dienstleister gefordert sein, abstrakte Inhalte einfach darzustellen. Hier sind wir schon beim Thema Gebäudedaten und Big Data. Über Smart Metering müssen wir nicht mehr spreche – das wird schon früher im Einsatz sein. Spannender sind alle Entwicklungen rund um das Smart Building, denn dies birgt einen immens hohen Mehrwert für die Kunden. Und allein bei der Planung von Gebäuden werden dann neue Dimensionen erreicht. Denn die Simulation des Gebäudebetriebs mitsamt Berechnung der Lebenszykluskosten ist machbar. Building Information Modeling sollte schon heute bei Neubauten ein Muss sein.

Hossenfelder: Wir reden hier über eine mittelfristige Perspektive. Was ist zu tun?

Sohnemann: Klare Antwort: Nicht nur in Forschung und Entwicklung investieren, sondern auch in den Menschen. Von der Weiterbildung der Mitarbeiter hängt die Zukunft ab.

Hossenfelder: Im Vergleich zu anderen Branchen – ist Digitalisierung im FM schwieriger?

Sohnemann: In der Vergangenheit hatten FM-Unternehmen häufig keine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, daher fehlt vielen FM-Playern heute etwas Erfahrung mit dem Au􀀁au neuer und vor allem digitaler Services. Aber mein Eindruck von der FM-Branche ist, dass sie besser ist als ihr Ruf. Die Kundenorientierung sowie Flexibilität sind lebensnotwendig und entsprechend extrem hoch ausgeprägt. Hier bleibt mitunter wenig Zeit – und bei der aktuellen Margensituation wenig Geld – für Forschung und Entwicklung. Häufig wird den Vorgaben und Wünschen der Kunden gefolgt. Wer aber jetzt proaktiv handelt und investiert, wird künftig belohnt werden. Denn wenn ein Kunde nachfragt, dauert es ja noch, bis man den Service anbieten kann. Am besten erkennt man als FM-Anbieter Kundenbedürfnisse, bevor der Kunde sie formuliert. B ei den Führungskräften wäre ein Outside-in empfehlenswert. In der FM-Branche kommen die meisten Führungskräfte aus der Branche, wenn nicht gar aus dem eigenen Haus. B ei den genannten Zukunftsthemen wäre frisches Blut empfehlenswert.

Hossenfelder: Im Vergleich zu den US-Amerikanern gelten wir Deutschen als zögerlich in Sachen Digitalisierung. Woran liegt das?

Sohnemann: Das hat viele Gründe, wie Industriestruktur, Kultur und so weiter. Vor allem sind die USA nicht so fragmentiert wie die Europäische Union. Während hierzulande ein Unternehmen in den europäischen Niederlassungen wegen unterschiedlicher Gesetzgebungen und Regulierungen ähnliche Strukturen darstellen muss, ist dies in den Vereinigten Staaten nicht der Fall. Dort ist demzufolge der Optimierungs- und somit der Digitalisierungsdrang deutlich  höher, um die Verwaltung wettbewerbsgerecht zu managen. Selbst der US-Mittelstand geht den digitalen Weg 􀀄 hier wird investiert und ausprobiert. In Deutschland hat man vielmehr das Gefühl, dass alle Unternehmensentscheidungen auf 20 0 -prozentige Sicherheit überprüft werden. Das nimmt Tempo raus und wirft uns in der Entwicklung nach hinten.

Hossenfelder: Umso besser, dass wir uns mit Ihnen so intensiv zu dieser Thematik austauschen können. Kommen wir zurück zum FM: Was bedeutet die Digitalisierung für die Mitarbeiter?

Sohnemann: Zwar wird die Digitalisierung zwangsläufig zu Stellenabbau in einigen Bereichen führen, aber es werden auch neue Arbeitsbereiche entstehen. Denn durch die Verzahnung der Immobilien- und Servicewelten entstehen neue Felder. Das Image der Branche wird sich wandeln – FM gewinnt an Selbstbewusstsein und mausert sich zum Jobmotor.

Hossenfelder: Kann Digitalisierung zur Steigerung der Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit beitragen?

Sohnemann: Unbedingt. Das bedeutet aber auch: Unternehmen müssen mehr denn je in Weiterbildung investieren. Hier geht es auch um soziale Innovationen, nicht nur um technische. Denn der Mensch muss lernen, mit der Maschine zu  arbeiten.

Hossenfelder: Wir sitzen hier in Ihrem tollen Büro in Hamburg. Wer reinigt eigentlich Ihr Office, Herr Sohnemann? Was passiert im Sanitärbereich, was in der Teeküche?

Sohnemann: Da unser Roboter Pepper noch nicht so weit ist, unsere Tassen und Gläser ein- und auszuräumen, legen wir noch selbst Hand an. Aber mit einem Saugroboter haben wir uns schon befasst.

Hossenfelder: Herr Sohnemann, vielen Dank für das Gespräch.

Nick Sohnemann

ist in Europa einer der führenden Experten im Bereich Trend- und Innovationsforschung. Als pragmatischer Problemlöser und strategisches Business Brain unterstützt er seit 2008 Unternehmen auf ihrem Weg zur Innovation. 2013 gründete er die Innovationsberatung FUTURECANDY in Hamburg. Das Unternehmen wächst stetig und so besteht das Team um Nick Sohnemann mittlerweile aus 10 Mitarbeitern.

Nick Sohnemann, Gründer und Inhaber der Innovationsberatung FutureCandy, im Gespräch mit Jörg Hossenfelder, Geschäftsführender Gesellschafter des Marktforschungsunternehmens Lünendonk & Hossenfelder, über Chancen und Risiken der Digitalisierung im  Facility Management.

Jörg Hossenfelder: Lieber Herr Sohnemann, beginnen wir bei Ihrem Besuch der Fachmesse INservFM: Was ist Ihnen beim Thema Facility Management zunächst in den Sinn gekommen?

Nick Sohnemann: Klar, selbstverständlich hatte ich schon vorher mitbekommen, dass der Job eines Facility Managers deutlich facettenreicher ist als der eines Hausmeisters und Gebäudereinigers. Aber in Vorbereitung meines Messebesuchs wurde mir jedoch schnell bewusst, dass wirklich in den letzten Jahren sehr viel in der FM- Branche passiert ist. Es ist unverkennbar, wie wichtig das Facility Management für eine Immobilie geworden ist.

Hossenfelder: Und wie ist Ihr Eindruck nach dem Messebesuch

Sohnemann: Ich habe erkannt, dass heutzutage FM für die Kunden einen hohen Stellenwert besitzen sollte. Es geht ja nicht nur um die Vielfalt der Leistungen wie Reinigung, Sicherheit, Technik und so weiter, sondern auch um die zahlreichen Schnittstellen zum Kerngeschäft. So ist es kein Wunder, dass die Branche an Bedeutung gewinnt. Beispielsweise ist bei H&M das Facility Management von  zentraler Bedeutung und sehr nah an der Geschäftsleitung angesiedelt. Das belegt den hohen Stellenwert des FM. Zudem werden die Gebäudedienstleistungen durch die digitalen Möglichkeiten nicht nur erweitert, sondern deutlich aufgewertet. Das Berufsbild wird immer attraktiver, und das ist ein positives Signal. Konkret kann man sagen, dass die Trendthemen Smart Office, Smart Factory und Smart Building die Relevanz von FM-Services noch deutlich erhöhen wird.

Hossenfelder: Sie sprechen die Digitalisierung an. Wird es die FM-Branche in 20 Jahren überhaupt noch geben? Oder werden dann die Services von Robotern und Drohnen erbracht, deren Steuerung ein Computer übernimmt?

Sohnemann: Natürlich wird sich die Art der Leistungserbringung verändern. Allein durch den Impact der Sensorik und Robotik erfährt die FM-Branche eine hohe Dynamik. Für die Dienstleister bedeutet das immense Chancen. Denn sie werden entsprechend thematisch wachsen. Während das klassische FM-Geschäft durch die Serviceroboter und Programme unterhöhlt wird, ergeben sich durch die Digitalisierung neue Chancen. So muss sich jemand um die Pflege der Roboter und Drohnen kümmern, Gebäudedaten analysieren und auswerten sowie die Kunden auch in dieser Hinsicht beraten. Allein in der Produktion und Logistik sind wir heute schon sehr weit – zu nennen sind beispielsweise autonome Transportwagen oder Verpackungsroboter. Aber auch im Krankenhaus und in der Pflege wird diese Technologie zum Einsatz kommen.

‍Die Gebäudedienstleistungen werden durch die digitalen Möglichkeiten nicht nur erweitert sondern deutlich aufgewertet

Hossenfelder: Sie meinen also, der Facility Manager von morgen…

Sohnemann: … ist auch Roboticsexperte. Hier entstehen völlig neue Berufsbilder aufgrund der Inhaltsschwere. Die FM-Mitarbeiter haben künftig eine andere, höhere Qualifikation. Das Spektrum des Facility Managers ist breiter, die Beratungskompetenz höher. Hierauf müssen sich Dienstleister, Hochschulen und Handelskammern einstellen.

Hossenfelder: Während viele in der Branche von Disruption sprechen, also von der Zerstörung eines Geschäftsmodells, sprechen Sie von Aufwertung und Chancen. Können Sie hierauf genauer eingehen?

Sohnemann: Wenn es darum geht, einfache Dinge schnell und flexibel zu erledigen, werden auch Menschen gebraucht. B ei bestimmten FM-Tätigkeiten lohnt sich kein Robotereinsatz. Menschen können besser improvisieren und sich auf neue Situationen einstellen, Roboter können sehr gut erlerntes Verhalten optimieren und sind unschlagbar dabei, vorgegebene Prozesse und Handgriffe zu wiederholen. Aber wenn es um komplett neue Situationen geht, kann eine Maschine – zumindest in den nächsten Jahren – wenig ausrichten. Daher: Die Gleichung, dass durch die Digitalisierung die vermeintlich einfacheren Tätigkeiten wegfallen, stimmt so nicht. Es sind vielmehr die Tätigkeiten des mittleren Managements, die die disruptive Kraft der Digitalisierung erfahren werden. Als Beispiele können Anwälte, Steuerberater, Controller und Journalisten genannt werden.

‍Das klassische FM-Geschäft kann oft durch Serviceroboter erledigt werden, doch bei bestimmten Tätigkeiten lohnt sich kein Robotereinsatz

Hossenfelder: Journalisten?

Sohnemann: Schon heute werden Standardereignisse von Computern autonom publiziert. Denken Sie an Tormeldungen auf unseren Smartphones: Spielstand, Spielminute und Torschütze werden gemeldet, ohne dass ein Mensch seine Finger im Spiel hat. Und schon heute ersetzen Fintechs und Legaltechs den Menschen. In diesem Segment ist der Einfluss der Digitalisierung höher.

Hossenfelder: Kommen wir zurück zum FM. Wenn Sie an die kommenden drei bis fünf Jahre denken: Der Einsatz welcher digitalen Techniken, Systeme und Dienstleistungen wird das FM-Geschäft am nachhaltigsten prägen?

Sohnemann: Eines vorneweg: Drei bis fünf Jahre sind schnell vorbei. Wir werden noch in dieser Dekade immense Umwälzungen in der Industrie erleben. Augmented Reality, Internet of Things und Predictive Maintenance werden partiell heute schon gefordert. Darüber hinaus werden die Dienstleister gefordert sein, abstrakte Inhalte einfach darzustellen. Hier sind wir schon beim Thema Gebäudedaten und Big Data. Über Smart Metering müssen wir nicht mehr spreche – das wird schon früher im Einsatz sein. Spannender sind alle Entwicklungen rund um das Smart Building, denn dies birgt einen immens hohen Mehrwert für die Kunden. Und allein bei der Planung von Gebäuden werden dann neue Dimensionen erreicht. Denn die Simulation des Gebäudebetriebs mitsamt Berechnung der Lebenszykluskosten ist machbar. Building Information Modeling sollte schon heute bei Neubauten ein Muss sein.

Hossenfelder: Wir reden hier über eine mittelfristige Perspektive. Was ist zu tun?

Sohnemann: Klare Antwort: Nicht nur in Forschung und Entwicklung investieren, sondern auch in den Menschen. Von der Weiterbildung der Mitarbeiter hängt die Zukunft ab.

Hossenfelder: Im Vergleich zu anderen Branchen – ist Digitalisierung im FM schwieriger?

Sohnemann: In der Vergangenheit hatten FM-Unternehmen häufig keine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, daher fehlt vielen FM-Playern heute etwas Erfahrung mit dem Au􀀁au neuer und vor allem digitaler Services. Aber mein Eindruck von der FM-Branche ist, dass sie besser ist als ihr Ruf. Die Kundenorientierung sowie Flexibilität sind lebensnotwendig und entsprechend extrem hoch ausgeprägt. Hier bleibt mitunter wenig Zeit – und bei der aktuellen Margensituation wenig Geld – für Forschung und Entwicklung. Häufig wird den Vorgaben und Wünschen der Kunden gefolgt. Wer aber jetzt proaktiv handelt und investiert, wird künftig belohnt werden. Denn wenn ein Kunde nachfragt, dauert es ja noch, bis man den Service anbieten kann. Am besten erkennt man als FM-Anbieter Kundenbedürfnisse, bevor der Kunde sie formuliert. B ei den Führungskräften wäre ein Outside-in empfehlenswert. In der FM-Branche kommen die meisten Führungskräfte aus der Branche, wenn nicht gar aus dem eigenen Haus. B ei den genannten Zukunftsthemen wäre frisches Blut empfehlenswert.

Hossenfelder: Im Vergleich zu den US-Amerikanern gelten wir Deutschen als zögerlich in Sachen Digitalisierung. Woran liegt das?

Sohnemann: Das hat viele Gründe, wie Industriestruktur, Kultur und so weiter. Vor allem sind die USA nicht so fragmentiert wie die Europäische Union. Während hierzulande ein Unternehmen in den europäischen Niederlassungen wegen unterschiedlicher Gesetzgebungen und Regulierungen ähnliche Strukturen darstellen muss, ist dies in den Vereinigten Staaten nicht der Fall. Dort ist demzufolge der Optimierungs- und somit der Digitalisierungsdrang deutlich  höher, um die Verwaltung wettbewerbsgerecht zu managen. Selbst der US-Mittelstand geht den digitalen Weg 􀀄 hier wird investiert und ausprobiert. In Deutschland hat man vielmehr das Gefühl, dass alle Unternehmensentscheidungen auf 20 0 -prozentige Sicherheit überprüft werden. Das nimmt Tempo raus und wirft uns in der Entwicklung nach hinten.

Hossenfelder: Umso besser, dass wir uns mit Ihnen so intensiv zu dieser Thematik austauschen können. Kommen wir zurück zum FM: Was bedeutet die Digitalisierung für die Mitarbeiter?

Sohnemann: Zwar wird die Digitalisierung zwangsläufig zu Stellenabbau in einigen Bereichen führen, aber es werden auch neue Arbeitsbereiche entstehen. Denn durch die Verzahnung der Immobilien- und Servicewelten entstehen neue Felder. Das Image der Branche wird sich wandeln – FM gewinnt an Selbstbewusstsein und mausert sich zum Jobmotor.

Hossenfelder: Kann Digitalisierung zur Steigerung der Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit beitragen?

Sohnemann: Unbedingt. Das bedeutet aber auch: Unternehmen müssen mehr denn je in Weiterbildung investieren. Hier geht es auch um soziale Innovationen, nicht nur um technische. Denn der Mensch muss lernen, mit der Maschine zu  arbeiten.

Hossenfelder: Wir sitzen hier in Ihrem tollen Büro in Hamburg. Wer reinigt eigentlich Ihr Office, Herr Sohnemann? Was passiert im Sanitärbereich, was in der Teeküche?

Sohnemann: Da unser Roboter Pepper noch nicht so weit ist, unsere Tassen und Gläser ein- und auszuräumen, legen wir noch selbst Hand an. Aber mit einem Saugroboter haben wir uns schon befasst.

Hossenfelder: Herr Sohnemann, vielen Dank für das Gespräch.

Nick Sohnemann

ist in Europa einer der führenden Experten im Bereich Trend- und Innovationsforschung. Als pragmatischer Problemlöser und strategisches Business Brain unterstützt er seit 2008 Unternehmen auf ihrem Weg zur Innovation. 2013 gründete er die Innovationsberatung FUTURECANDY in Hamburg. Das Unternehmen wächst stetig und so besteht das Team um Nick Sohnemann mittlerweile aus 10 Mitarbeitern.

Mehr zum Thema

Digitalisierung
Sie stehen vor einer Facility Management-Herausforderung? Dann nehmen Sie mit unseren Experten Kontakt auf!
Jetzt Kontakt aufnehmen

Sie wollen mehr zu Facility Management erfahren?

Sie stehen vor einer Herausforderung und benötigen Antworten auf Ihre Fragen? Dann nehmen Sie mit unseren Experten Kontakt auf oder werfen Sie einen Blick auf das "Handbuch Facility Management"!
Jetzt Kontakt aufnehmen!Mehr zu "Handbuch Facility Management"

Das könnte Sie auch interessieren...

In or out? Kritische Entscheidungs- und Erfolgsfaktoren beim Outsourcing

Fritz-Klaus Lange
11. Jan. 2018
Immobilien wurden insbesondere in der Produktionswirtschaft lange Zeit lediglich als notwendige Komponente der Produktion ...
Jetzt weiterlesen

BIM und FM – Wohin geht die Reise?

Ralph Englert
09.Jan.2018
Smart Building, Augmented & Virtual Reality, IoT, AI, B IM – schöne neue Welt! Als Megatrend durchdringt das Thema Digitalisierung alle ...
Jetzt weiterlesen

Rechenzentren brauchen Verantwortung

Jürgen Bieser
09.Jan. 2018
Deutschlands führende Nachrichtenseite ist offline. Der Grund: Ein Stromausfall in einem großen deutschen Rechenzentrum.
Jetzt weiterlesen